Die Zunge

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Aufbau der Zunge

Die Oberseite der Zunge (Zungenrücken, Dorsum linguae) ist etwas gewölbt, liegt ganz frei und zeigt hinten eine dreieckige Vertiefung, das blinde Loch, in dem sich mehrere Schleimdrüsen öffnen. Die untere Fläche ist mit ihrem mittleren Teil an den Boden der Mundhöhle angewachsen und vorn durch eine Falte der Mundschleimhaut, das Zungenbändchen (Frenulum linguae), so angeheftet, dass nur die Spitze und die Seitenränder frei sind. Erstreckt sich das Zungenbändchen zu weit nach vorn, so wird dadurch die freie Beweglichkeit der Zunge beeinträchtigt. Dieser Fehler kann durch einen Schnitt in das Zungenbändchen (Zungenlösung) beseitigt werden. Der hinterste, dickste Teil der Zunge, die Zungenwurzel (Radix linguae), ist am Zungenbein befestigt, das im oberen Teil des Halses liegt und durch Muskeln und Bänder wieder mit dem Kehlkopf in Verbindung steht. In der Mittellinie der Zunge ist eine Art senkrechter Scheidewand aus Sehnenfasern vorhanden, die Zungenknorpel heißt. Im Übrigen besteht die Zunge jedoch vorwiegend aus Muskelfasern mit zahlreichen dazwischen verlaufenden Nerven und Blutgefäßen. Die Muskelfasern sind in allen möglichen Richtungen angeordnet und ermöglichen dadurch die überaus große Beweglichkeit der Zunge sowie ihre Fähigkeit, ihre Gestalt auf vielfache Weise zu verändern.

Die Schleimhaut

Auf der sehr dicken Zungen-Schleimhaut, die eine Fortsetzung der Mundschleimhaut ist, befinden sich die zahlreichen Papillen (Zungenwärzchen, Papillae linguales), die fadenförmig, keulenartig oder platt sind. Funktionell lassen sie sich in zwei Gruppen unterscheiden. Die mechanischen Papillen (Papillae mechanicae) werden nach der Gestalt in Papillae filiformes (fadenförmige), Papillae conicae (konische) und Papillae lentiformes (linsenförmige) unterschieden. Die fadenförmigen Papillen verleihen der Zunge ihre samtartige Oberfläche. Bei einigen Säugetieren (Rinder, Schafe, Katzen) besitzen sie kleine rachenwärts gerichtete Hornspitzen und verleihen der Zunge eine gewisse Rauhigkeit. Konische Papillen sind deutlich dicker und kommen beispielsweise bei Rindern am Zungenkörper vor. Linsenförmige Papillen sind flach und breit und bei Wiederkäuern zu finden. Sie dienen vor allem der Aufnahme von Tastempfindungen. Die zweite Gruppe sind die Geschmackspapillen (Papillae gustatoriae) mit den eigentlichen Geschmacksorganen, den Geschmacksknospen zu unterscheiden, die mit den Geschmacksnerven (Nervus glossopharyngeus, Chorda tympani) verbunden sind. Nach der Form unterscheidet man drei Geschmackspapillentypen. Die pilzförmigen Papillen (Papillae fungiformes) sind neben der Aufnahme von Geschmacksreizen vermutlich auch an Tast- und Temperaturempfinden beteiligt. Die am Zungengrund gelegenen Wallpapillen (Papillae vallatae) sind erhaben und von einem Wallgraben mit Spüldrüsen umgeben. Ihre Anzahl ist tierartlich sehr unterschiedlich: Pferde besitzen nur 2 Wallpapillen, Wiederkäuer 48. Blätterpapillen (Papillae foliatae) sind nicht bei allen Säugetieren ausgebildet. Besonders deutlich sind sie bei Pferden. Hier beiderseits eine, etwa 2 cm lange Blätterpapille seitlich am Zungengrund. Sie besteht aus vielen hintereinanderstehenden Blättchen. Die Zunge enthält zahlreiche kleine Speicheldrüsen, besonders in der Gegend der Zungenwurzel. Die gesamte Oberfläche der Zunge ist von einem zarten Oberhäutchen oder Epithel überzogen. Wenn sich dieses Häutchen stark verdickt, bildet sich der weißliche Belag der Zunge, der durch Speichel und Speisereste noch vergrößert wird, die sich in den zahlreichen Vertiefungen zwischen den Papillen einlagern und die Entwicklung von Fäulnispilzen begünstigen.

Auf einem Querschnitt durch den Mittelteil der Zunge:

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…sind die verschiedenen Formen der drei Papillentypen zu erkennen. Am zahlreichsten sind die konischen fadenförmigen Papillen, die als Tastorgane dienen. Die Geschmacksknospen der abgeflachten pilzförmigen Papillen reagieren auf süße und saure Stoffe, die der Wallpapillen, gehäuft in der Wallgrabenwand sit­zend, auf bittere Substanzen. Die Spalträume zwischen den Papillen werden durch Schleim ausgespült, der von Drüsen am Grabenengrund produziert wird. Die Geschmacksstoffe müssen löslich sein, damit sie von den Knospen erfaßt werden können. Die einzelnen Geschmacksknospen liegen, eingebettet in die Deckzellen der Zungenschleimhaut, in der Wand der Papillen. Bei Kontakt mit gelösten Nahrungsstoffen erregen sie benachbarte sensorische Nervenfasern, die mit drei Hirnnerven direkt ins Gehirn ziehen.

Auf einem Schnitt durch eine Geschmacksknospe ist zu sehen, daß sie aus verschiedenen Arten meist länglicher Sinneszellen und aus Stützzellen besteht. Durch eine spaltförmige Öffnung im einhüllenden Deckgewehe, die Geschmackspore, gelangen die gelösten Nahrungsteilchen zu den fingerähnlichen Aus­läufern (Mikrozotten) der Sinneszellen. Diese antworten, indem sie einen chemischen Überträgerstoff an Kontaktstellen (Synapsen) zu benachbarten sensorischen Nervenfasern freisetzen. Die Fasern werden erregt und senden Impulse zum Gehirn, das es als Geschmacksempfindung deutet.

Die Geschmacksknospen:

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…den Aufgaben, Geschmackszentren und der Gustatorische Wahrnehmung…



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