Allgemeine Infos zu Piercings

Komplikationen bei Piercings & Infos

Wird das Piercing nicht fachgerecht vorgenommen, oder wird der notwendigen Hygiene nicht nachgekommen, kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Wird es zum Beispiel unter Einfluss von Koffein oder Alkohol und anderen Drogen, sowie blutverdünnenden Medikamenten gestochen, kann sowohl der Kreislauf als auch die Blutgerinnung beeinträchtigt werden. Bei allen Formen des Piercings kann es zu lokalen Schwellungen und leichten Blutungen kommen, die meistens nach einer Weile abklingen. Es gibt gewisse Piercings (Bereiche) die schon durch die Platzierung bedingt besonderer Aufmerksamkeit bedürfen und die hier mehr oder minder kurz angerissen werden:

Bei Minus-Temperaturen kann es bei offen getragenen Piercings aus Metallschmuck zu Erfrierungen kommen, da Metall sehr kalt werden kann und Wärme besser ableitet als organisches Gewebe. Hiervon sind insbesondere Piercings im Gesichtsbereich betroffen. Piercings durch den Ohrknorpel führen leicht zu Entzündungen. Beim Augenbrauen- und beim Nasenflügelpiercing können Ausläufer des Trigeminusnervs getroffen werden. Auch Infektionen der Augen lassen sich in einigen Fällen auf eine Infektion des Piercings zurückführen. Erreger kommen beim Wechseln oder Reinigen des Piercingschmucks an die Hände der Gepiercten und von dort beim Ein- oder Aussetzen auf Kontaktlinsen in die Augen, wo sie beispielsweise eine Bindehautentzündung auslösen können. Das Bauchnabel-Piercing ist eines der am umständlichsten heilenden Piercings, da der Bauch(nabel) bedingt durch das Laufen, Bücken und die Kleidung sehr vielen Reizen ausgesetzt ist. …um nur einige Beispiele aufzuzeigen.

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Herauswachsen von Piercings

Unter Umständen und nicht selten können Piercings vom Körper abgewiesen, sozusagen abgestossen werden, aus dem Bindegewebe herauswachsen und Wulste und oder eine Narbenbildung verursachen. Besonders häufig passiert dies bei unter Spannung stehenden Oberflächenpiercings.

Probleme bei Piercings im Mundbereich

Piercings im Mundbereich (Zunge, Lippe, Lippenbändchen) bergen ein hohes langfristiges Gefahrenpotential für Zähne und Zahnhalteapparat. Der Schmuckknopf eines Zungenpiercings führt relativ häufig zu Traumatisierungen der zungenwärts gelegenen Zahnhöcker, was zu Zahnfrakturen und Absterben des Zahnmarks führen kann. Die innen gelegene Konterplatte von Lippenpiercings drückt bei ungünstiger Lokalisation bei jeder mimischen Bewegung auf das Zahnfleisch und den darunter liegenden sehr dünnen Alveolarknochen. Da Knochen auf Druckbelastung schwinden, kann es so zu Zahnlockerungen bis hin zum Zahnverlust kommen. Ähnliches gilt für Piercings des Lippenbändchens. Bei Verwendung von nichtmetallischem Schmuck, beispielsweise aus Acryl oder PTFE, ist die Gefahr von Zahnschäden aufgrund der geringeren Härte des Materials zwar geringer, das Risiko von Knochenschwund bleibt allerdings unverändert hoch.

Während der Schwangerschaft kann es zu Problemen mit Bauchnabelpiercings kommen. So kann es bei einigen Frauen durch die Dehnung des Gewebes zu einem verstärkten Druck auf das Piercing bis zum Herauswachsen desselben kommen. Dies lässt sich durch den Einsatz von flexiblem PTFE-Schmuck umgehen. Sollte dies nicht helfen, kann der Schmuck (bei einem verheilten Piercing) bis nach der Geburt entfernt werden. Vor der Geburt sollten Intimpiercings entfernt werden. Somit lässt sich sowohl einer Verletzung des Neugeborenen als auch einem Ausreißen des Schmucks vorbeugen. Dies gilt für alle Piercings im Bereich des Vaginaleingangs. Eine Entfernung von Christina-Piercings ist unter Umständen nicht nötig, was jedoch vorher mit einem Arzt oder einer Hebamme abgeklärt werden sollte. Die mitunter geäußerte Befürchtung, ein Brustwarzenpiercing würde die Fähigkeit zum Stillen beeinträchtigen, trifft nicht zu. Allerdings sollte während des Stillvorgangs der Schmuck entfernt werden.

Probleme bei Knorpelpiercings

Speziell die Piercings am Ohrknorpel sind sehr gefährdet was Entzündungen angeht. Stets sollte daher darauf geachtet werden, dass keine Shampoo-Reste oder Haarpflegeprodukte an die frische Wunde gelangen. Jedoch auch mechanische Reize wie Haare die sich um das Piercing wickeln, auf der Seite Schlafen, Kleidung Überstreifen, Mützen Tragen etc. können erhebliche Schäden verursachen, vor allem wenn dadurch am Piercing gerissen wird. Kleinste und große Faserrisse im Gewebe können die Folge sein. Des Weiteren ist zu beachten, dass bei einer Wundheilung auch durch die Wärmeentwicklung das Gewebe stark anschwellen kann, der Knorpel allerdings kann dies nicht, daher entsteht eventuell massiver Druck im Stichkanal. Weiterhin sind im gesamten Ohrbereich vielerlei Akupunktur-Punkte, die somit angestochen und auch durchgestochen werden, was die Folgen nicht klar vorhersehbar macht, nicht immer zu wirklichen Problemen führen muss, aber in jedem Fall beachtet werden sollte.

Probleme bei Intimpiercings

Ein nicht vollständig abgeheiltes Intimpiercing erhöht, wie auch jede andere offene Wunde im Genitalbereich, die Gefahr einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten, wie zum Beispiel Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV. Bei nicht verheilten Intimpiercings ist deswegen das Tragen eines Kondoms zu empfehlen. Die Gefahr, dass der Schmuck den Kondom jedoch wieder schadhaft belasten kann ist immer gegeben (auch bei Ringen).

Bestimmte Piercings können die Schamhaarentfernung erschweren (Piercings der äußeren Schamlippen, Nefertiti und Christina bei Frauen, z.B. Hafada bei Männern). Bei Rasur oder Brazilian Waxing ist es mitunter schwer, den Bereich unmittelbar um den Schmuck zu enthaaren. Verbleibende Haare lassen sich dort besser mit einer Pinzette entfernen. Gerade bei unverheilten Piercings können Keime in den Stichkanal gelangen wenn der Rasierer nicht nach jeder Rasur intensiv gereinigt wird. Bei verheilten Piercings stellt dies weniger ein Problem dar, weil der Schmuck vor der Enthaarung entfernt werden kann. Beim Prinz-Albert-Piercing wird der Ring durch den Ausgang der Harnröhre zur unteren Seite der Eichel des Penis gezogen. Zu dünne Ringe bis etwa zwei Millimeter Materialstärke bergen die Gefahr des „Käseschneidereffekts“: Bei mechanischer Belastung kann der Schmuck durch das Gewebe schneiden; das Piercing reißt aus, was zu einer Subinzision führt. Bei ausreichender Materialstärke kann ein Prinz Albert allerdings recht belastbar sein. Bei zu engen Ringen kann es zu Quetschungen kommen. Piercings im Dammbereich können bedingt durch längeres Sitzen auch dauerhafte Entzündungen verursachen. Ferner sind Fälle von Fournier-Gangrän nach Genitalpiercings beschrieben worden.

WEITERE INFOS

Wie ist eigentlich die rechtliche Situation hier in D?

Gepierct werden darf in Deutschland grundsätzlich jeder. Bei Minderjährigen unter 18 Jahren ist jedoch ein schriftliches Einverständnis eines Erziehungsberechtigten notwendig. Im April 2008 wurde eine Gesetzesinitiative gestartet, die ein generelles Verbot von Körpermodifikationen bei Minderjährigen fordert, die Umsetzung ist jedoch noch nicht beschlossen. Viele Studios führen unabhängig von gesetzlichen Verpflichtungen keine Piercings an Jugendlichen unter 14 Jahren durch. Der Piercingvorgang ist rechtlich gesehen eine strafbare Körperverletzung. Deshalb muss der_die Klient_in in der Regel vor dem Piercen eine schriftliche Einverständniserklärung abgeben, die den Piercer vor rechtlichen Folgen diesbezüglich befreit. Diese Erklärung ist jedoch unwirksam, sofern vor dem Eingriff nicht ausführlich über die Risiken des Piercings aufgeklärt wurde. Die ausführende Person hat Beratungspflicht. Weist diese nicht auf mögliche negative Folgen des Piercings, insbesondere etwaige Entzündungen oder Nervenschädigungen hin, kann sie belangt werden. Das Piercen befindet sich aus gesetzlicher Sicht in einer Grauzone. Wer Piercings vornehmen darf und wer nicht, ist nicht klar definiert. Das VG Gießen kam mit Urteil vom 9. Februar 1999 (AZ 8 G 2161/98) zu dem Schluss, dass der Piercingvorgang, gleichgültig, ob dabei lokale Anästhesie eingesetzt wird oder nicht, ausschließlich von Personen mit entsprechendem Fachwissen durchgeführt werden darf. So sei mindestens eine Ausbildung zum Heilpraktiker nötig, um Piercings setzen zu dürfen. Oben genanntes Urteil wurde in nächster Instanz vom VGH Hessen mit Urteil vom 2. Februar 2000 (AZ 8 TG 713/99) insofern bestätigt, als zumindest für das Piercen mit lokaler Anästhesie mittels Injektion eines Betäubungsmittels, Personal mit entsprechender Kompetenz (Heilpraktiker, Arzt) vorausgesetzt wird. Seit dem 1. Juli 2008 sind Ärzte und Krankenhäuser laut § 294a SGB V verpflichtet, den Krankenkassen Komplikationen bei Tätowierungen, Schönheitsoperationen oder Piercings zu melden.

Piercing gesetzt und dann zum Blutspenden?

Da durch Piercings übertragene Infektionskrankheiten bei einer Blutspende weitergegeben werden können, wird wegen der diagnostischen Lücke zwischen einem neu gestochenen Piercing und der Blutspende ein zeitlicher Abstand von mehreren Monaten vorausgesetzt, um die Infektionsgefahr möglichst auszuschließen.Im Einzelfall muss berücksichtigt werden, ob es bei dem frisch gestochenen Piercing zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Entzündungen gekommen war. Der Mindestzeitraum zwischen einem Piercing und der Blutspende variiert je nach Region und nach durchführender Institution.

EU-Nickelrichtlinie? Was ist denn das?

Laut der Nickelrichtlinie (94/27) der EU vom 30. Juni 1994 durfte für den Ersteinatz kein nickellhaltiger Schmuck verwendet werden. In der Richtlinie blieb zunächst unberücksichtigt, dass nicht der Nickelgehalt, sondern dessen Abgabemenge ausschlaggebend für allergische Reaktionen ist. Der bis dahin meistens verwendete Edelstahl 316L war demzufolge nicht mehr zugelassen, da dessen Nickelgehalt mit 10 Prozent bis 14 Prozent die in der Richtlinie vorgegebene Werte deutlich überstieg. Stattdessen wurde anschließend vor allem auf Titan ausgewichen. Da die Oberfläche von Titan jedoch auch nach intensiver Politur mehrere Unebenheiten aufweist, welche die Ansiedlung von Mikroben und somit Entzündungen begünstigen, galt Stahl trotz der Richtlinie weiterhin als besser geeignetes Material für den Ersteinsatz. Am 27. September 2004 wurde die Richtlinie dahingehend geändert, wonach sich die Obergrenzen für Nickel nun an der Nickelfreisetzung orientieren. Somit ist Edelstahl auch wieder als Erststecker zugelassen. Demzufolge geeignet sind Edelstahl (316L), Titan, Niob und PTFE, also Materialien, deren Nickelfreisetzung fünf Nanogramm pro Quadratzentimeter und Woche durch Abrieb nicht übersteigt.


Weitere Fragen können eventuell unter den allgemeineren FAQ Beantwortung finden.



Zwecks Quellenangabe & Lizenzen für die hier dargestellten Photos/Bilder: bitte im Anhang schauen.