Tattoogeschichte in Afrika…

Körperbemalung (Bodypainting), Hautdurchstechungen (Piercings), Wund- und Narbenbeibringungen (Scarification) und Tätowierungen (Tattoos) haben sich bei afrikanischen Volksstämmen bis heute erhalten und erfüllen dort die verschiedensten Funktionen. Über den „Schmuckwert“ hinaus geben sie Auskunft über Status, Rang und Zugehörigkeit zu und in den einzelnen Gruppen. Sie sind Teil der Selbstdarstellung, sowie der eigenen Entwicklung vom Kind hin zum erwachsenen Stammesmitglied und werden häufig in Initiationsriten angebracht und als deutliches, nach außen hin getragenes Zeichen einer sozialen Entwicklung verstanden.

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In den Teilen Afrikas, wo die Haut der Menschen so dunkel ist, dass eine Farbe nicht mehr zu erkennen wäre, ist dieser Brauch der reinen Tätowierung eher unbekannt.

Statt dessen werden anstelle von Tätowierungen z.B. dort Hautritzungen vorgenommen. Es handelt sich dabei um Körperschmuck durch Muster aus dreidimensionalem Narbengewebe.

Mit kurzen Schnitten und Stichen werden zum Beispiel bei den Nubas (Sammelbegriff für verschiedene Stämme, ursprünglich Zentral-Sudan) auf dem ganzen Körper Narbenmuster in Strich- und Punktform angelegt. Diese Einkerbungen und die daraus erwachsenden Vernarbungen (Scarification, engl. = Einritzung) haben nicht allein einen ästhetischen oder rituellen Charakter, sondern tragen darüber hinaus auch zur Stärkung der körperlichen Immunität bei.

Desweiteren finden sich hier in vielen Kulturkreisen verschiedenste Formen der Körpergestaltung. Die genutzten Materialien für den Körperschmuck sind vielfältig: Tierknochen und -zähne, Elfenbein, Holz, Wurzeln, Steine, Muscheln, Federn, Tonerde und verschiedenste Metalle kommen zum Einsatz.

Bei Frauen weisen Art und Tragweise des Körperschmucks zum Beispiel darauf hin, dass sie noch ledig, schon verheiratet, bereits Mutter oder Witwe sind. In manchen Stämmen zeigt die Vielzahl des Körperschmucks bei einem Mann den erfolg- und siegreichen Krieger oder Jäger und auch, ähnlich wie bei den Frauen, den Grad der Entwicklung hin zum voll anerkannten Stammesmitglied.

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Formen des Ohr- und Lippendurchstechens sind in den meisten Ur-Stämmen Afrikas üblich. Dabei sind auch heute noch extreme Formen der Dehnung dieser „Piercings“ anzutreffen.

Massais dehnen ihre Ohrlöcher durch den Einsatz immer größerer Scheiben von Röhrenknochen, Surma-Frauen wird sechs Monate vor der Hochzeit die Unterlippe durchstochen und schrittweise mit Holz- oder Tonscheiben gedehnt, und ähnliche Lippenscheiben finden sich auch bei den Frauen des Pokoten-Stammes als Zeichen des Ehestandes.

In den Initiationsriten werden die verschiedensten Formen des Körperschmucks von den Eltern oder von älteren und „wissenden“ Stammesmitgliedern angebracht, die nicht allein über das Wissen der Anbringungs- und Stichtechnik verfügen, sondern meist auch über überlieferte Kräuter- und Heilmittelkenntnisse zur Wundversorgung und Heilungsförderung, die bei uns längst in Vergessenheit geraten sind. Die Formen, Techniken, Muster und Intensität der Körperbemalung ist meist situativ bestimmt, das heißt, bestimmte Situationen und Ereignisse werden durch eine besondere Form der Körperbemalung symbolisiert.

Die bekannteste ist hier sicherlich die sogenannte „Kriegsbemalung“, die allerdings nur eine unter vielen ist. So gibt es zum Beispiel bei den Massai „Familienfarben“, denen bei bestimmten Ritualen eine ganz besondere Bedeutung zukommt. So „zeichnen“ die Massai-Mädchen ihre Auserwählten mit der eigenen Farbe, indem sie – von Kopf bis Fuß mit der Familienfarbe bemalt – in einem erotischen Tanz ihre Wahl treffen, wobei sie ihren Schenkel auf die Schulter des „Erwählten“ legen und ihn somit mit der Farbe „stempeln“.

Wird mit dem Körperschmuck (Piercings) meist der Status, Rang und die eigene Entwicklung ausgedrückt,
ist es bei der Körperbemalung
häufig der Seelenzustand, die Emotion (Freude, Trauer, Aggression usw.), die zum Ausdruck gebracht wird.

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